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CCaaS & KI: Best-of-Suite vs. Best-of-Breed?

Geschrieben von Martin Wild | 16.02.26 11:33

Im Contact Center sind die großen Entscheidungen oft überraschend emotional. Ein Anbieter überzeugt in der Demo, ein Quartalsziel drückt, ein interner Stakeholder hat eine starke Präferenz – und plötzlich wird aus einer Architekturfrage eine Glaubensfrage: Suite oder Best-of-Breed?!

 

1. Warum so viele Plattformen „gleich“ wirken – und später so unterschiedlich sind

Auf den ersten Blick ähneln sich viele Omnichannel-CCaaS-Plattformen: Kanäle, Routing, Basic Reporting, Agent Desktop, vielleicht ein paar AI-Features. In der Realität entstehen Unterschiede dort, wo Organisationen wirklich leben:

    • Integrationen (CRM, Ticketing, Knowledge, Identity, Backoffice)
    • Governance & Betriebsmodell (Rollen, Rechte, Audit, Residenz)
    • Steuerung (historische Reports, Real-Time Monitoring, KPIs, Alerts)
    • Employee Experience (Akzeptanz, Speed, Kontext, Workflows)
    • Skalierung (Mandanten, Standorte, Sprachen, Prozesse)

Wenn diese Punkte nicht sauber passen, wird eine „gute Plattform“ zur Dauerbaustelle. Und das ist der Moment, in dem Unternehmen feststellen: Die Demo war korrekt – aber sie war nicht vollständig.

2. Warum wir lösungsunabhängig arbeiten

Ein Softwarehersteller hat eine natürliche Motivation: das eigene Produkt zu verkaufen. Ein reiner AI-First-Player hat eine natürliche Motivation: KI als Mittelpunkt zu setzen. Beides kann sinnvoll sein – aber es führt häufig zu einer Schieflage: Die Entscheidung wird von Produktlogikgetrieben, nicht von Ihrer Betriebsrealität.

Lösungsunabhängigkeit ist deshalb kein Label, sondern eine Methode:
Wir übersetzen Anforderungen früh in technische Kriterien – und entscheiden dann, welcher Architekturpfad den größten Nutzen bringt. Genau das meint: „Die beste Lösung für jeden Kunden – Best of Suite oder Best ofBreed.“

3. Best of Suite: stark, wenn Ihre Organisation Plattform-Konsistenz braucht

Best of Suite ist besonders dann sinnvoll, wenn Sie eine Plattform wollen, die möglichst viel nativ abdeckt: ein Routing-Konzept, ein Agent Desktop, ein Reporting-Rahmen, ein Betriebsmodell. Das reduziert Komplexität – aber es ist kein Automatismus.

Denn selbst bei der besten Suite bleibt Ihre Realität bestehen:

    • CRM ist da. Ticketing ist da. Knowledge ist da.
    • Prozesse sind da. Rollen und Compliance sind da.
    • KPIs sind da – und müssen auf Ihre Service-Logik passen.

Der kritische Erfolgsfaktor ist daher nicht „Suite gekauft“, sondern „Suite richtig in Ihre Landschaft integriert“ – inklusive Steuerbarkeit (historisch + real-time), damit Betrieb nicht im Blindflug passiert.

4. Best of Breed: stark, wenn Ihr Stack bleiben soll und Sie gezielt ergänzen wollen

Best of Breed ist besonders dann sinnvoll, wenn Sie:

    • bestehende Systeme nicht ersetzen wollen oder können,
    • gezielt Bausteine ergänzen möchten (z. B. KI-Agents für Assist, Automation, Insights),
    • und Wert auf Wahlfreiheit bei Technologie und Roadmaps legen.

Der Preis dieser Freiheit ist Architekturdisziplin: Schnittstellen, Kontext, Orchestrierung und Operating Model müssen saubergedacht werden. Sonst entsteht schnell eine KI-Insel, die zwar beeindruckt, aber nicht skaliert.

5. Der eigentliche Unterschied: Requirements → Kriterien, nicht Anforderungen → Bauchgefühl

Der Kern guter Entscheidungen liegt überraschend früh: in der „technischen Bedarfsermittlung“. Wer hier schludert, zahlt später in Integrationskosten, Akzeptanzproblemen und endlosen Customizations.

Gute Kriterien entstehen aus Fragen wie:

    • Welche Journeys müssen kanalübergreifend funktionieren?
    • Welche Systeme sind Source of Truth – und welche Actions müssen möglich sein?
    • Welche KPIs steuern den Betrieb wirklich (historisch + real-time)?
    • Welche Compliance-Vorgaben sind Deal-Breaker?
    • Welche Agent-UX braucht Ihr Team, um produktiv zu sein?

Das klingt banal. In der Praxis entscheidet es über Erfolgoder Frust.

Fazit: Suite vs. Breed ist nicht die Frage. Betrieb vs. Bauchgefühl ist es.

Die beste Lösung ist nicht automatisch die größte Plattform, nicht automatisch das modernste KI-Tool und nicht automatisch „alles aus einer Hand“. Die beste Lösung ist die, die:

    • zu Ihren Prozessen passt,
    • in Ihre Systeme integriert ist,
    • steuerbar und auditierbar bleibt,
    • und im Alltag von Ihren Teams akzeptiert wird.

Genau deshalb ist unser Ansatz: Choice & Control– und daraus eine betreibbare Lösung machen, die im Betrieb gewinnt, nicht nur in der Präsentation.