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Experience Automation: Die Zukunft der Kundenservice-Optimierung

Viele Unternehmen starten ihre KI‑Reise im Kundenservice mit einem verständlichen Ziel: schneller antworten. Chatbots, E‑Mail‑Assistenten, automatische Zusammenfassungen – all das kann sofort Nutzen bringen. Und trotzdem bleibt nach dem ersten Erfolgsgefühl häufig ein unangenehmer Eindruck: Die Organisation ist etwas schneller geworden, aber nicht wirklich leichter.

Der Grund ist simpel: Kundenkontakte bestehen selten nur aus einer Antwort. Sie bestehen aus Arbeit. Und Arbeit endet erst, wenn ein Fall wirklich erledigt ist.

Genau hier beginnt das, was wir „Experience Automation“ nennen: Automatisierung entlang der gesamten Customer Journey –kanalübergreifend, prozessnah, integrierbar. Nicht als Show‑Bot, sondern als System, das Fälle voranbringt.


1. Die häufigste Illusion: „Wenn wir schneller antworten, wird alles besser“

Eine schnellere Erstantwort ist ein guter Start. Aber sie löst das Grundproblem vieler Service‑Organisationen nicht:
Backlogs, Liegezeiten, Medienbrüche, Nacharbeit und unklare Zuständigkeiten.

Typische Symptome:

    • E‑Mails werden gelesen, weitergeleitet, wieder geöffnet, erneut gefragt.
    • Tickets werden angelegt, aber es fehlen Daten – also wartet alles auf Rückfragen.
    • Kund:innen wechseln den Kanal, aber der Vorgang springt zurück auf Null.
    • Mitarbeitende dokumentieren nach dem Gespräch noch einmal manuell.
    • Entscheidungen werden unterschiedlich getroffen, weil Wissen nicht konsistent verfügbar ist.

Wer hier nur die Antwort beschleunigt, beschleunigt oft nur den Anfang – nicht das Ende.


2. Was Experience Automation wirklich ist

Experience Automation bedeutet: KI unterstützt nicht nur den Dialog, sondern die End‑to‑End Arbeit im Hintergrund. Praktisch besteht ein Kundenkontakt fast immer aus einer Kette:

    • Intake: Anliegen kommt rein (Voice, Chat, Mail, Messaging)
    • Verstehen: Intent erkennen, Informationen extrahieren, priorisieren
    • Orchestrieren: Zuständigkeit, Routing, nächste Schritte entscheiden
    • Handeln: Aktionen in Systemen auslösen (CRM, Ticketing, Backoffice)
    • Kommunizieren: Antwort geben, Rückfragen stellen, Status bestätigen
    • Abschließen: dokumentieren, kategorisieren, Qualität sichern, lernen

Experience Automation setzt genau an dieser Kette an – nicht nur am Punkt „Antwort“.


3. Warum gerade E‑Mail und Backoffice so viel Potenzial haben

In vielen Organisationen liegt der größte Hebel nicht im Chat, sondern in:

    • E‑Mail (hohes Volumen, viel Wiederholung, hoher manuelle Aufwand)
    • Backoffice‑Workflows (Liegezeiten, Abstimmungen, Nachfassen)
    • Nacharbeit (Dokumentation, CRM‑Pflege, Ticket‑Updates)

Hier entstehen die unsichtbaren Kosten: Viele Minuten pro Fall, die sich über Wochen zu vollen FTE‑Kapazitäten addieren. Zudem verstärken Backlogs das Kundenerlebnis: Längere Wartezeiten, mehr Nachfragen, steigende Unzufriedenheit – und der Kreislauf beginnt von vorn.

Wenn Experience Automation hier sauber greift, entsteht der Effekt, den Kunden wirklich merken: Service wird verlässlich.


4. Der reife Ansatz: „Eine Plattform – mehrere Agents“ statt „ein Bot für alles“

Ein häufiger Fehler ist der Wunsch nach dem einen Agent, der alles kann. In der Praxis entsteht Robustheit eher über Spezialisierung –ähnlich wie im Team:

    • Ein Agent für Triage (klassifizieren, extrahieren, routen)
    • Ein Agent für Antwortvorbereitung (Draft, Tonalität, Knowledge‑Nutzung)
    • Ein Agent für Actions (Tool Calls, Workflow Steps, Updates)
    • Ein Agent für Quality/Compliance (Checks, Red Flags, Standards)
    • Plus Human‑in‑Control für sensible Fälle

Dieses Setup ist flexibler: Man kann klein starten (z.B. Triage + Drafting) und später ausbauen (Actions + Quality Gates). Und: Es lässt sich besser messen, weil man erkennen kann, wo in der Kette der Nutzen oder die Reibung entsteht.


5. Die vier Voraussetzungen, damit Automation nicht zur Insellösung wird

Voraussetzung 1: Integration statt Copy‑Paste
Sobald Automation „nur“ Text produziert, bleibt immer ein Mensch als manueller Integrator übrig. Der Schritt zur echten Entlastung kommt, wenn KI Aktionen in Systemen auslösen darf – kontrolliert über APIs, Rollen und Rechte.

Voraussetzung 2: Klare Regeln (Policies) statt Hoffnung
Experience Automation braucht definierte Grenzen: Was darf automatisiert werden? Wo ist eine Freigabe nötig? Wann wird eskaliert? Policies machen Verhalten reproduzierbar – und damit betreibbar.

Voraussetzung 3: Observability statt Blindflug
Automation muss sichtbar sein: Welche Anliegen werden erkannt? Wo bricht der Flow? Warum eskaliert es? Welche Schritte sparen Zeit, welche erzeugen neue Schleifen? Ohne Logs, Monitoring und KPIs bleibt Automation ein Bauchgefühl.

Voraussetzung 4: End‑to‑End Ownership
Wenn niemand den gesamten Prozess verantwortet, entstehen Inseln. Experience Automation funktioniert am besten, wenn Journeys/Workflows eine klare Ownership haben – nicht nur Kanäle.


6. Messbarkeit: Welche Kennzahlen sich für Experience Automation eignen

Experience Automation ist dann erfolgreich, wenn sie sowohl CX als auch Effizienz verbessert. Sinnvolle Kennzahlen:

    • Time to First Response und Time to Resolution
    • Backlog‑Entwicklung und Liegezeiten
    • After‑Contact Work (Dokumentation, Updates, Nacharbeit)
    • Wiederkontaktquote
    • Qualitäts-/Compliance‑Signale (Fehler, Abweichungen, Eskalationsgründe)

Wichtig ist nicht, jede Zahl zu optimieren, sondern den Zusammenhang zu verstehen: Oft sinkt die Nacharbeit, wenn Kontext und Workflows sauber werden. Und oft sinkt die Wiederkontaktquote, wenn „Antwort“ in „Erledigung“ übergeht.


Fazit: 2026 gewinnt, wer Arbeit erledigt – nicht nur Antworten schreibt

KI im Kundenservice wird in den nächsten Jahren selbstverständlich. Der Unterschied liegt nicht darin, ob man „KI hat“, sondern wie man sie einsetzt.

Experience Automation ist die erwachsene Form des KI‑Einsatzes:
Sie macht nicht nur Kommunikation schneller, sondern bringt Fälle schneller zum Ergebnis – über Kanäle hinweg, über Prozessschritte hinweg, mit klaren Regeln und messbarer Wirkung.

Oder anders gesagt: Die beste Customer Experience entsteht, wenn die Arbeit hinter dem Kontaktleiser wird.

Martin Wild

Martin Wild ist Co-Gründer und Geschäftsführer sogedes.ai. Gerne können Sie sich mit Martin Wild auf LinkedIn vernetzen.

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